Die spannende Geschichte der Spiegeltaler Mühlen bei Zellerfeld im Oberharz

Historische Spiegeltaler Mühlen bei Clausthal-Zellerfeld im Oberharz – Wegesmühle, Mittelmühle und Untermühle im Wandel der Zeit.
Historische Spiegeltaler Mühlen bei Clausthal-Zellerfeld im Oberharz – Wegesmühle, Mittelmühle und Untermühle im Wandel der Zeit.

Neue Einblicke in die Geschichte der Spiegeltaler Mühlen im Oberharz: Die Monografie von Ralf und Doris Hewig verbindet Technik-, Familien- und Tourismusgeschichte in Clausthal-Zellerfeld.

Ein neues Standardwerk zur Harzer Regionalgeschichte

In Clausthal-Zellerfeld ist mit der Monografie „Auf St. Jacobi zwey Hahnen“ von Ralf und Doris Hewig ein bemerkenswertes Werk zur regionalen Geschichte erschienen. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Spiegeltaler Mühlen im Oberharz – ein Ensemble aus ursprünglich vier Wassermühlen, das über Jahrhunderte hinweg eng mit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Bergstadt Zellerfeld verbunden war.

Vier historische Mühlen im Spiegeltal

Die Wegesmühle, die Mittelmühle und die Untermühle sind bis heute erhalten und vielen noch als beliebte Ausflugslokale in Erinnerung. Die vierte Anlage, die Brinkmühle, lag etwas abseits im Seitental des Strotebachs und wurde bereits 1878 nach einem Blitzschlag zerstört. Ihre Geschichte endet damit früh, während die anderen Mühlen eine wechselvolle Entwicklung bis in die Gegenwart durchlaufen haben.

Ursprünge im 16. Jahrhundert und Bedeutung für den Bergbau

Die Ursprünge der Spiegeltaler Mühlen reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Besonders die Wegesmühle, die vermutlich bereits 1543 gegründet wurde, steht exemplarisch für die frühe Versorgung der Bevölkerung mit Mehl in einer Zeit, in der der Bergbau im Oberharz florierte. Alle vier Mühlen dienten zunächst als Kornmühlen, bevor sich ihre Nutzung im Laufe der Jahrhunderte wandelte. So wurde etwa die Mittelmühle im Jahr 1875 zu einer Sägemühle umgebaut.

Wasserversorgung und technische Herausforderungen

Eine besondere Herausforderung stellte die Wasserversorgung dar. Der durch das Spiegeltal fließende Fuhrbach lieferte zwar das notwendige Aufschlagwasser, doch konkurrierten die Mühlen mit den umliegenden Bergwerken um diese Ressource. Über ein komplexes System aus Teichen und Gräben wurde das Wasser verteilt, wobei der Bergbau stets Vorrang hatte. Diese Abhängigkeit prägte den Betrieb der Mühlen erheblich und wird von den Autoren anschaulich beschrieben.

Strukturwandel: Vom Mühlenbetrieb zum Tourismus

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gerieten die kleinen, abgelegenen Mühlen zunehmend unter Druck. Große industrielle Mühlen und verbesserte Verkehrswege machten ihnen wirtschaftlich zu schaffen. Gleichzeitig eröffnete der aufkommende Fremdenverkehr neue Möglichkeiten. Eine zentrale Rolle spielte dabei Ida Tolle, die in den 1890er Jahren in der Untermühle eine Schankwirtschaft eröffnete, aus der sich ein erfolgreicher Pensionsbetrieb entwickelte. Auch die Mittelmühle und die Wegesmühle wandelten sich in dieser Zeit zu touristischen Betrieben und wurden als „Kurhäuser“ bekannt.

Nutzung im 20. Jahrhundert und bis heute

Im 20. Jahrhundert änderte sich die Nutzung der Mühlen erneut mehrfach. Während des Zweiten Weltkriegs dienten sie als Unterkünfte im Rahmen der Kinderlandverschickung. Nach Kriegsende wurden sie zunächst als Flüchtlingsunterkünfte genutzt und später teilweise als Altenheime betrieben. In der Wegesmühle und der Mittelmühle lebte der Pensionsbetrieb in den 1950er und 1960er Jahren noch einmal auf, bevor andere Nutzungen folgten. Heute werden die Gebäude unter anderem als Wohnhäuser und medizinische Praxen genutzt. Die Untermühle blieb sogar bis 2019 ein Hotelbetrieb und blickt damit auf eine über 125-jährige touristische Tradition zurück.

Familiengeschichte der Müllerdynastie Tolle

Neben der historischen Entwicklung der Mühlen widmet sich das Buch auch der Geschichte der Müllerdynastie Tolle, deren Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen und die über Generationen hinweg eng mit den Mühlen verbunden war.

Fundierte Recherche und reichhaltige Ausstattung

Die Monografie überzeugt nicht nur durch ihre fundierte Recherche, sondern auch durch ihre anschauliche Aufbereitung. Zahlreiche Abbildungen, historische Dokumente als Faksimiles und Transkriptionen sowie ein umfangreiches Quellenverzeichnis machen das Werk zu einer wertvollen Grundlage für weitere heimatkundliche Forschungen. Ergänzt wird das Buch durch einen Anhang mit Erläuterungen zu historischen Maßeinheiten im Oberharz sowie Kurzchroniken der einzelnen Mühlen.

Ein Muss für Harz- und Geschichtsinteressierte

Mit 181 Seiten und 111 Abbildungen bietet das Buch eine gelungene Mischung aus wissenschaftlicher Tiefe und guter Lesbarkeit. Es richtet sich sowohl an historisch Interessierte als auch an alle, die sich für die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Harzes begeistern. Damit stellt „Auf St. Jacobi zwey Hahnen“ eine bedeutende Neuerscheinung dar und ist ein Muss für alle, die sich mit der Geschichte der Spiegeltaler Mühlen und der Region Clausthal-Zellerfeld beschäftigen möchten.

Buchdaten und bibliografische Angaben

Ralf und Doris Hewig: Auf St. Jacobi zwey Hahnen. Geschichte der Spiegeltaler Mühlen bei Zellerfeld
181 Seiten, 111 Abbildungen
Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld
ISBN: 978-3-98870-067-4
Preis: 19,00 €

Die reich bebilderte Monografie bietet eine umfassende und fundierte Darstellung der Spiegeltaler Mühlen im Oberharz und ist sowohl für Heimatforscher als auch für geschichtlich interessierte Leser eine empfehlenswerte Neuerscheinung.

Quelle: Text: Dr. Volker Wrede, 05.04.2026
Deckblatt: Ralf und Doris Hewig
Titelbild: Redaktion

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