Das Oberharzer Bergwerksmuseum darf nicht sterben

Das Schaubergwerk in Clausthal-Zellerfeld macht die Bergbaugeschichte für Besucher lebendig.
Das Schaubergwerk in Clausthal-Zellerfeld macht die Bergbaugeschichte für Besucher lebendig.

Das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld gilt als eines der ältesten Technik- und Freilichtmuseen Deutschlands. Seit über 130 Jahren bewahrt es die einzigartige Montangeschichte der Region und macht sie für Besucher aus aller Welt erlebbar. Doch nun droht der Einrichtung das Aus. Der Stadtrat hat beschlossen, den Betrieb zum 1. Januar 2026 einzustellen, da sich kein neuer Betreiber finden ließ. Damit steht nicht nur ein traditionsreiches Museum vor dem Ende, sondern auch ein wichtiges Stück Identität für die gesamte Oberharzer Region.

Ein traditionsreiches Museum in Gefahr

Das Bergwerksmuseum wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem zentralen Ort der Erinnerungskultur. Mit zahlreichen Ausstellungsstücken, historischen Gebäuden und einem Schaubergwerk vermittelt es eindrucksvoll die Arbeits- und Lebenswelt der Oberharzer Bergleute. Hier wird Geschichte nicht nur erzählt, sondern erfahrbar gemacht. Die drohende Schließung ist ein Schock für viele Bürgerinnen und Bürger. Besonders Nachfahren ehemaliger Bergleute betonen, dass mit dem Museum auch ein Teil ihres familiären Erbes verloren gehen würde. Für sie ist das Museum ein kollektives Gedächtnis, das die Werte und Traditionen des Bergbaus bewahrt.

Politische Entscheidungen führen zum Stillstand

Über Jahre wurde über die Zukunft des Museums gestritten. Zunächst betrieb die Welterbe-Stiftung die Einrichtung. Doch der Vertrag wurde vom Stadtrat nicht verlängert. Man wollte einen neuen Betreiber finden, der das Haus in eine sichere Zukunft führt. Verschiedene Kandidaten wurden gehandelt, darunter die Kur-Betriebsgesellschaft, lokale Vereine und private Initiativen. Doch am Ende scheiterte jede Option. Am 17. September 2025 entschied der Stadtrat schließlich, den Betrieb ab 1. Januar 2026 einzustellen. Nur ein Hintertürchen bleibt offen: Bis zum 4. Dezember könnte sich noch ein Betreiber finden. Diese letzte Chance wirkt jedoch angesichts der bisherigen Entwicklungen sehr gering.

Finanzielle Last und bauliche Probleme

Ein zentraler Grund für die Schließung sind die enormen Kosten. Die Gebäude befinden sich im Besitz der Stadt, die auch für die Instandhaltung verantwortlich ist. Schon in der Vergangenheit wurden Sanierungen deutlich teurer als erwartet. Allein für das Haus Bornhardtstraße 14 waren sieben Millionen Euro im Gespräch. Auch das Hauptgebäude in der Bornhardtstraße 16 ist sanierungsbedürftig und weist statische Probleme auf. Die Verwaltung wies darauf hin, dass die Sicherheit nicht mehr in allen Situationen gewährleistet sei. Ohne umfassende Sanierung ist eine dauerhafte Nutzung kaum möglich. Für eine kleine Kommune wie Clausthal-Zellerfeld stellen solche Summen eine enorme Belastung dar.

Protest und Engagement aus der Bevölkerung

Trotz der schwierigen Lage regt sich Widerstand. Bürger, Historiker, Vereine und Unternehmen fordern, dass das Museum nicht einfach geschlossen wird. Der Historiker Holger Eisfelder etwa erinnert daran, dass schon in der Vergangenheit wertvolle Strukturen im Harz leichtfertig aufgegeben wurden. Auch er plädiert dafür, das Museum als wichtigen Ort des Gemeinsinns zu erhalten. Besonders eindringlich äußerte sich Dr. Sebastian Röthele, Geschäftsführer des Unternehmens Sympatec. In einem offenen Brief betonte er, dass eine lebendige Kulturlandschaft und das Bergwerksmuseum entscheidend für die Attraktivität des Standortes seien. Er verwies darauf, dass bereits viele Einrichtungen im Oberharz verloren gegangen sind, vom Krankenhaus bis zum Bahnverkehr. Ein weiterer Verlust dürfe nicht hingenommen werden.

Bedeutung für Identität und UNESCO-Welterbe

Das Oberharzer Bergwerksmuseum ist mehr als nur ein lokales Museum. Es ist ein zentraler Baustein des UNESCO-Welterbes im Harz. Zusammen mit anderen Stätten wie der Grube Samson oder den Oberharzer Wasserwirtschaftsanlagen vermittelt es die außergewöhnliche Bedeutung der Region für die Montangeschichte. Ein Museum dieser Art erfüllt gleich mehrere Aufgaben: Es bewahrt das materielle und immaterielle Erbe, vermittelt Wissen an kommende Generationen, fördert den Tourismus und stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Mit Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen ist es ein lebendiger Ort, der weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlt.

Ein Bildungsort für alle Generationen

Museen sind Bildungsstätten, die komplexe Themen anschaulich machen. Im Oberharzer Bergwerksmuseum erfahren Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wie Bergbau funktioniert hat, welche Techniken entwickelt wurden und wie die Menschen unter Tage lebten. Schulklassen nutzen das Angebot für anschaulichen Unterricht, Familien erleben Geschichte hautnah, Touristen entdecken die kulturelle Vielfalt der Region. Besonders wertvoll ist das Schaubergwerk, das die harte Arbeit der Bergleute erlebbar macht. Hier wird klar, wie viel Mut, Geschick und Gemeinschaftssinn notwendig waren, um unter Tage zu bestehen.

Wirtschaftlicher Faktor und Standortvorteil

Das Museum trägt auch zur wirtschaftlichen Attraktivität des Oberharzes bei. Als touristische Attraktion lockt es Besucher an, die in Hotels übernachten, in Restaurants essen und im Einzelhandel einkaufen. Solche weichen Standortfaktoren sind für Unternehmen und Fachkräfte wichtig. Eine Stadt mit lebendiger Kulturlandschaft zieht mehr Menschen an, die dort leben und arbeiten wollen. Die Schließung des Museums würde also nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich einen Verlust darstellen. Gerade in Zeiten, in denen ländliche Regionen um junge Familien und Fachkräfte werben müssen, ist ein attraktives Kulturangebot von großer Bedeutung.

Ort der Begegnung und des Zusammenhalts

Das Oberharzer Bergwerksmuseum ist nicht nur ein Museum, sondern auch ein Ort der Begegnung. Regelmäßig finden dort Veranstaltungen statt, vom Museumsfest über Musikveranstaltungen bis hin zu besonderen Führungen. Solche Ereignisse schaffen Gemeinschaftserlebnisse, stärken den sozialen Zusammenhalt und bieten Identifikationsmöglichkeiten für alle Generationen. In einer Stadt, in der öffentliche Treffpunkte rar sind, erfüllt das Museum eine wichtige soziale Funktion. Es ist ein kulturelles Zentrum, das verloren ginge, wenn die Schließung tatsächlich umgesetzt wird.

Blick in die Zukunft: Chancen statt Aufgabe

Viele Stimmen betonen, dass die Schließung nicht die einzige Option sein darf. Denkbar wären neue Trägermodelle, Kooperationen mit Vereinen, Partnerschaften mit Unternehmen oder eine stärkere Einbindung ehrenamtlichen Engagements. In anderen Städten funktioniert Museumsbetrieb auch durch private Trägergemeinschaften. Warum sollte das im Oberharz nicht möglich sein? Zudem könnten Fördergelder von Land, Bund oder EU eingeworben werden. Als Teil des UNESCO-Welterbes bietet das Museum eine hervorragende Ausgangsbasis für internationale Vernetzung und Förderprogramme.

Was ein Verlust wirklich bedeuten würde

Sollte das Oberharzer Bergwerksmuseum tatsächlich geschlossen werden, ginge weit mehr verloren als nur eine Ausstellung. Verloren ginge ein Stück Identität, eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, ein Ort der Bildung und Begegnung. Für die Region wäre es ein weiterer Einschnitt in einer Reihe von Verlusten, die schon jetzt spürbar sind. Mit jeder geschlossenen Einrichtung schwindet die Attraktivität des Oberharzes ein Stück mehr. Wer das Museum schließt, riskiert einen kulturellen und wirtschaftlichen Rückschritt, der sich kaum wieder rückgängig machen lässt.

Das Oberharzer Bergwerksmuseum muss bleiben

Das Oberharzer Bergwerksmuseum ist ein Schatz, der weit über die Grenzen Clausthal-Zellerfelds hinaus Bedeutung hat. Es verbindet Geschichte, Kultur, Identität, Bildung und Wirtschaftskraft. Seine Schließung wäre ein kultureller Kahlschlag und ein schwerer Fehler für die Zukunft der Region. Noch bleibt ein kleines Zeitfenster, um Lösungen zu finden. Politik, Wirtschaft, Vereine und Bürger sind gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Ein Museum, das seit über 130 Jahren das Herz der Region ist, darf nicht aus Angst vor Kosten aufgegeben werden. Es muss als Chance begriffen werden, den Oberharz kulturell, touristisch und wirtschaftlich zu stärken.

Eine Online-Petition ist in Vorbereitung.

Quelle und Bilder: Redaktion, 30.09.2025

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